WeinhausenPano201412

Im der nachfolgenden Beschreibung der Besitzverhältnisse des Dorfes Weinhausen stammt aus der u.a. angegebenen Quelle. In dieser Schriftenreihe aus der Zeit um die Jahrhundertwende sind alle Pfarreien der Bistums Augsburg ausführlich beschrieben.Mit akribischer Kleinarbeit haben die Autoren eine Menge an Urkunden und sonstigem Quellen studiert und ein heute noch aktuelles Werk hinterlassen (es fehlen natürlich ca 100 Jahre der Entwicklung bis heute) Die kurze Beschreibung der Kirche und Informationen über das Pfarreieinkommen unter dem Kaptitel Kirche vom Hauptmenü ausgehend.

Quellenangabe: Das Bistum von Augsburg, Sechster Band

B. Schmidsche Verlagsbuchhandlung, 1896-1904

von Dr. Antonius von Steichele und Dr. Alfred Schröder

S.616-632 / Pfarrei Weicht und Weinhausen

S.625:

IV. Weinhausen, D. ehemals selbstständige Pfarrei, 162 S[eelen]., 31 Häuser (darunter 3 Höfe), 2 1/5 Kil. westlich von Weicht; ebener Weg.

 Mit den Besitzungen des Klosters Ottobeuren in Weinhausen hat es eine Ähnliche Bewandtnis wie mit den Ottobeurer Gütern in Waal (s. oben S. 580). Die villa Wigenhusen cum terminis suis wurde im 12. Jahrhundert als ursprüngliches Stiftungsgut des Klosters betrachtet, wäre aber nach Aussage einer gefälschten Urkunde gegen Gewährung von Freiheiten im Jahre 972 an das Reich abgetreten worden. Daß Ottobeuren schon frühzeitig hier Besitz hatte, ist nicht anzuzweifeln.. Dafür spricht der Kirchentitel: St. Felizitas und ihre Söhne; diese Titelheiligen weisen auf Kirchengründung oder Neubau durch Ottobeuren hin; denn der hl. Alexander, dessen Reliquien Ottobeuren besaß, galt als einer dieser Söhne; Kirchenbau durch ein Kloster aber hat zur Voraussetzung grundherrliche Rechte des bauenden Klosters. Reste dieses Besitzes, bestehend in dem Lehenrechte über den Zehnt aus drei Höfen, sind durch urkundliche Nachrichtenaus dem Anfang des 15. Jahrhunderts bezeugt 41).

 Um die Wende des 13. Jahrhunderts waren der kemptnische Lehensmann Heinrich von (Ober-)Minderdorf (bei Sulzberg) und Heinrich von Mörgen im Besitze einiger Güter in Weinhausen, die den Grundstock der nachmals bedeutenden Erwerbungen des Kaufbeurer Spitals bildeten. Die Genannten verkauften nämlich vier Halbhuben an Heinrich Twinger, Bürger zu Kaufbeuren. Durch ihn und seine Ehewirtin Gertrud kamen diese Liegenschaften als „Dienststiftung“ (s. oben S. 471) am 29. Dezember 1302 an das Spital 42). Ferner kaufte Heinrich Twinger dem Spital im Jahre 1304 von dem Ritter Konrad von Pleitmannswang einen Hof in Weinhausen, der vom Berge Kemnat zu Lehen ging, aber durch Konrad von Ramschwag dem Soital geeignet wurde, und versicherte darauf das Jahreseinkommen von dreißig Schilling Pfennig, das der Spitalkaplan vom Hause bezog43). Diesem Besitz des Spitals fügte noch in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts Hermann muser, Bürgerzu Kaufbeuren, den halben Manus bei 44).

 Den reich begüterten Portners, Bürger zu Augsburg, gehörte im 14. Jahrhundert auch ein Teil von Weinhausen; der der Niedergang des Geschlechtes führte zur Veräußerung. Konrad der Portner, Sohn des in der Augsburger Geschichte berüchtigten Heinrich, verkaufte seine zwei Höfe in Weinhausen, die seine Vorderen an ihn gebracht hatten, am 12. Juli 1393 um 62 Goldgulden an Ulrich Fraß, Bürger zu Füssen, der sie um beinahe dieselbe Summe sechs Jahre darnach seinem Bruder Bartholomäus und dessen Ehewirtin Elsbeth überließ 45). Bartholomäus erwarb 1402 durch Kauf von Konrad von Lechsberg auch den von Ottobeuren lehenbaren Zehnt aus seinen zwei Höfen und einem dritten Hof, der dem Spital in Kaufbeuren gehörte. Von Elsbeth Fraß gingen die Höfe samt Zehntlehen erblich an Heinrich Fainack und Heinrich Turacher und deren Hausfrauen, Bürger zu Memmingen, über und wurden von ihnen am 12. März 1410 um 229 Gulden an das Spital verkauft.

 Eine andere Gruppe, teils Eigenbesitz, teils Lehen von der Feste Peissenberg und den Herren von Waal, gehörte den Angerern von Lindenberg. Die Wittwe Anna Wiener, Bürgerin zu Augsburg, und ihr Sohn Heinrich Wiener verkauften am 5. Mai 1375 einen Hof zu Weinhausen, den Heinz der junge Angerer baute, und 14 Jauchert Ackers, genannt die Reutin, dazu einen Waldanteil, alles Lehen von Wilhelm von Seefeld (zu Peissenberg), um 33 Pfund Pfennig an Ruf Angerer, gesessen zu Lindenberg. Derselbe Ruf hatte schon 1365 ein von den Herren von Waal lehenbares Gütlein, einen halben Hof, erworben, den im Jahre 1431 Kaspar von Waal Hansen Angerer, Bürger zu Kaufbeuren, eignete 46). Das Erbe, das Hansens Sohn Konrad in Weinhausen hinterließ, bestehend in einem peissenbergisch-lehenbaren Hof, einem frei eigenen Halbhof und vierzehn Jauchert Ackers, wurde im Jahre 1483 um 400 Gulden an das Spital veräußert. Dieses zählte das Jahr vorher sechs Unterthanen im Orte und war, wie es scheint, in der Folge die alleinige Grundherrschaft in Weinhausen.

 Auch die Gerichtsherrschaft stand seit dem Anfang des 15. Jahrhunderts dem Spital und der Stadt Kaufbeuren zu. Vorher bildeten die orts- und kirchenherrlichen Rechte einen Bestandteil der Herrschaft Waal. Am 8. Dezemer 1401 verkauften Herrmann von Freiberg und seine eheliche Wirtin Anna, das Gericht, das Vogtrecht, das Widem und den Zehnt, kurz, alle Rechte und Güter in Weinhausen , die zur Feste Waal gehörten, um 95 Gulden an das Spital 47). Bischof Anshelm inkorporierte am 25. Mai 1422 dem Spital die Pfarrkirchen in Weinhausen und Märzisried mit ihren Rechten und Einkünften; zugleich gestattete er, dass das Spital i Hinblick auf die Geringfügigkeit der Einkünfte von der Aufstellung eines eigenen Pfarrers in Weinhausen Umgang nehme und die Kirche durch einen benachbarten Priester versehen lasse, doch ohne dass durch den Mangel eines eigenen Pfarrers die Kirche, das Pfarrvolk und das Landkapitel beeinträchtigt würden 48).

 Wahrscheinlich schon seit Mitte des 15. Jahrhunderts, seit der Erwerbung des Patronatsrechtes in Weicht, ließ das Spital die Pfarrei Weinhausen durch den Pfarrer von Weicht versehen, der auf Weinhausen die commissio annua erhielt 49). Wegern der Bezüge für die Versehung der Pfarrei wurde zwischen dem Spital und der Pfarrpründe Weicht im Jahre 1567 eine Vereinbarung getroffen, wodurch sich das Spital zu einem jährlichen Reichnis von je vier Sack Roggen und Haber verbindlich machte. Die Präsentation lautete in der Regel nur auf Weicht, mitunter jedoch zugleich auch auf „die Verwaltung und Administration der Kirche zu Weinhausen“. Als das Kloster Steingaden im Jahre 1704 das Patronatsrecht in Weicht an sich gebracht hatte, präsentierte es auf die parochialis ecclesia in Weicht et Weinhausen. Darüber entspann sich ein langwieriger Schriftenwechsel zwischen dem Prälaten von Steingaden, er Recihsstadt Kaufbeuren und der oberhirtlichen Stelle; zudem heischte die Frage, ob das Spital auf grund des Zehntgenusses in Weinhausen zu den Kultusgebäuden in Weicht konkurenzpflichtig sei, immer dringender eine Lösung. Kaufbeuren behauptete, Weinhausen sei eine Pfarrei für sich – und allerdings hatte einen kanonische Union mit Weicht niemals stattgefunden – und beanspruchte daher eine Art Kompatronat und Freiheit von Baupflicht in Weicht. Das Vikariat konnte seiner gegenteiligen Entscheidung nicht den Nachdruck der Exekutive geben, weil die Regierung in Dillingen befürchtete, Kaufbeuren werde beim Reichshofrat auf Verletzung des westfälischen Friedens klagen.  So blieben die Fragen unentschieden. Im Jahre 1782 stellte Kaufbeuren eine eigene Präsentation auf Weinhausen für den vonSteingaden präsentierten Pfarrer von Weicht aus; es scheint ihr aber nicht statt gegeben worden zu sein.

 Die Hoheitsrechte wurden von der Stadt Kaufbeuren gehandhabt.