WeinhausenPano201412

Buchloer Zeitung am 20.3.1992

 

 

Plan für Kanalisation verabschiedet
Abwasseranlage in Weicht, Weinhausen und Beckstetten kostet rund 9,4 Millionen Mark

Jengen (vit). Die Planung für die Kanalisation in den westlichen Ortsteilen von Jengen steht. Die Abwasserleitungen werden, so das Gutachten des Ingenieurbüros, voraussichtlich 9,4 Millionen Mark kosten. In seiner jüngsten Sitzung beschloß der Gemeinderat den Plan an das Wasserwirtschaftsamt zur Begutachtung einzureichen. Dann werde die Bezuschussung und der mögliche Baubeginn geklärt.

Die Kanalisation für die Ortsteile Beckstetten, Weicht und Weinhausen ist auf insgesamt 1050 Einwohnergleichwerte angelegt, wobei je Einwohner ein Tagesverbrauch von 150 Litern angenommen wird. Derzeit leben in den drei Dörfern zusammen rund 820 Personen. Da für das Regenwasser bereits ein Kanalsystem vorhanden ist, sollen häusliches Schmutzwasser und Niederschlag im Trennsystem entsorgt werden. Die Regenwasserrohre werden im Zuge der Arbeiten ausgebessert.

Alles in allem umfaßt das Kanalnetz für die drei Ortsteile eine Länge von 12655 Metern.

In Beckstetten würde der Planung zufolge das Wasser am nördlichen Ortsrand gesammelt. Von dort läuft der Kanal entlang der Kreisstraße im Freispiegelgefälle nach Weicht. Mit Hilfe einer Pumpstation werden die Fäkalien nach Weinhausen geschickt und schließlich zum Regenüberlaufbecken bei Jengen gebracht.

Aufbereitet wird das Schmutzwasser aus den Jengener Ortsteilen in der Buchloer Kläranlage. Soweit als möglich schlägt das Gutachten vor, das natürliche Gefälle auszunutzen (Freispiegelkanäle). Beim Bau sei dieses System zwar etwas teurer als die Druckentwässerung, niedrigere Betriebskosten, so die Berechnung der Planer, machten die Freispiegelkanäle jedoch wirtschaftlicher.

Lediglich im Norden von Weicht dürfte es bei der Kellerentwässerung Probleme geben, da die Rohre nicht tief genug im Boden verschwinden. Dort müßte Abwasser aus den Kellern mit Hebeanlagen der Kanalisation zugeführt werden. Außerdem wies Bürgermeister Ludwig Bertele darauf hin, daß die Dimensionen der Leitungen keine

abwasserintensiven Gewerbebetriebe in den Dörfern zulasse. Dies, so das Gemeindeoberhaupt, sei aber auch nicht geplant.

Wie geht's nun weiter? Nach der Zustimmung des Gemeinderats zum Planentwurf, so Bertele, gehen die Unterlagen ans Wasserwirtschaftsamt. Erklärt diese Behörde ihr Einverständnis, kann ein Zuschuß beantragt werden. Wann dann gebaut werden könne, sei schwer abzusehen, da die Fördermittel nach Dringlichkeit der Maßnahme vergeben werden. Ein vorzeitiger Baubeginn, bei dem die Gemeinde das Geld für einige Jahre vorstrecken müßte, sei derzeit nicht finanzierbar.

Bertele erläuterte auch, daß derzeit Ortskanäle mit 35 Prozent vom Staat bezuschußt werden, einen Teil der Kosten erhalte die Gemeinde als zinsverbilligtes Darlehen. Für die Kanalisation in Jengen gab es noch 50 Prozent der Baukosten vom Land. Bertele verwies darauf, daß eine generelle Streichung der Fördermittel für die Ortskanäle zu befürchten sei. Für die Verbindungen zwischen den Dörfern liege der Zuschuß nach wie vor bei 75 Prozent.