WeinhausenPano201412

Buchloer Zeitung vom 10.9.1991

 

Langgehegter Wunsch der Gemeinde geht in Erfüllung

Neuen Kindergarten in Beckstetten feierlich eingeweiht

Beckstetten (sch). Bei herrlichem Wetter fand die Einweihung des neuen Kindergartens im umgebauten Pfarrhof statt. Zum Festgottesdienst zogen die Teilnehmer vom Sportplatz zum Festzelt, wo der Altar auf der Bühne aufgebaut war. Den Gottesdienst zelebrierten Pfarrer Jakob Rohrmayr, Caritasdirektor Zerrle aus Augsburg, und Pfarrer Hans Seeberger aus Jengen. Der Kirchenchor und die Musikkapelle Weicht gestalteten die Messe mit. Prälat Zerrle segnete den Kindergarten und den dazugehörigen Bus.

    Beim anschließenden Festakt im Zelt sagte Bürgermeister Ludwig Bertele, daß nun ein langgehegter Wunsch in Erfüllung gegangen sei und die Gemeinde einen eigenen Kindergarten habe. Er blickte zurück auf die vorangegangenen Beratungen und die Arbeit. Dank der vielen freiwilligen Helfer, die nahezu 10000 Arbeitsstunden erbracht haben, und der guten Zusammenarbeit der Firmen habe der Umbau in einem Jahr abgeschlossen werden können, betonte Bertele.
    Das schmucke Gebäude werte auch das »Golddorf« Beckstetten auf. Außerdem bedeute der eigene Kindergarten auch die Stärkung der Zusammengehörigkeit in der Gesamtgemeinde. Bertele sprach auch die zu gründende Grundschule an, die sich auch positiv auswirken werde.

    Max Huber vom Diözesanbauamt Augsburg ging kurz auf die Renovierungsarbeiten ein. Er meinte, daß mit dem prächtigen Gebäude nun alle Pessimisten überzeugt werden könnten, die lieber einen Abbruch gesehen hätten. Auch der stellvertretende Landrat Josef Kreuzer und der Landtagsabgeordnete Erwin Seitz freuten sich über das gelungene Gemeinschaftswerk.
   
Mit bewegten Worten zeigte Kirchenpfleger Johann Negele den Arbeitsablauf im Kindergarten auf. Nur durch die intensive Zusammenarbeit der Dorfbevölkerung sei es möglich gewesen, dieses Haus zu renovieren. Die Leiterin des neuen Kindergartens, Beate Schmid, versprach, daß sie mit ihren drei Mitarbeiterinnen bestrebt sein werde, den Kindern Geborgenheit und etwas Bildung mit auf den Weg zu geben. Der Kindergartenbetrieb laufe bereits seit einer Woche zur Zufriedenheit der Eltern und der Kinder. Die Eltern forderte sie auf, sich alles anzuschauen und sich auch später wieder einmal sehen zu lassen.
   
Eine besondere Delikatesse boten hernach drei Kinder mit einem Mundartgedicht von Alex Merbeler.
   
Zur Kindergarteneinweihung waren auch viele »ehemalige« Beckstettener gekommen. Die weiteste Anreise hatte Elfriede Rauch, die mit ihrem Sohn aus Kalifornien angereist war.

 

 

Buchloer Zeitung vom 7. 2.1994

 

»Spatzen« spielen bald in Weinhausen

Gemeinde schließt neuen Kindergartenvertrag mit der Kirchenstiftung

Jengen (dh). Ab 1. April wird die »Spatzengruppe« des Beckstettener Kindergartens im ehemaligen Schulgebäude von Weinhausen spielen und lernen. Der Gemeinderat Jengen verabschiedete dazu bei seiner jüngsten Sitzung am Mittwochabend einstimmig einen neuen Vertrag mit der Kirchenstiftung. Damit wurden alle bisherigen Vereinbarungen außer Kraft gesetzt.

    Im November hatte der Gemeinderat Jengen beschlossen, den Kindergarten in Beckstetten nun doch nicht zu erweitern, sondern eine Gruppe in die ehemalige Schule Weinhausen auszulagern. Doch eine schriftliche Kündigung des für Beckstetten abgeschlossenen Vertrags war dem Pfarrer bislang nicht zugegangen. Deshalb wandte sich jetzt die Diözese mit einem Schreiben an die Gemeinde Jengen.
   
Darin, so berichtete Bürgermeister Ludwig Bertele den Räten, erklärte sich die Diözese »grundsätzlich einverstanden« damit, daß die Gemeinde auf Weinhausen ausweicht und den neuen eingruppigen Kindergarten in Eigenregie führt. Sie wollte jedoch eine schriftliche Bestätigung, daß das Kindergartenpersonal von der Gemeinde zu denselben Bedingungen wie bisher übernommen wird. Damit konnten sich die Räte allesamt auf Anhieb anfreunden, könne man doch »froh sein«, so Florian Eberle, daß zwei Erzieherinnen nach Weinhausen wechseln wollen. Ab Herbst 1995 sollen übrigens .ausschließlich Weinhausener und Jengener Kinder die Einrichtung in Weinhausen besuchen.
   
Die Diözese sandte der Gemeinde außerdem einen neuen Kindergartenvertrag mit der Bitte um Unterschrift. Darin ist unter anderem geregelt, daß die Gemeinde für den 1991 errichteten, zweigruppigen Kindergarten in Beckstetten zusätzlich zu den Pflichtzuschüssen 80 Prozent des Betriebskostendefizits übernimmt. An den Kosten zur Instandhaltung des Gebäudes ist die Gemeinde mit gut 66 Prozent beteiligt. Zusätzlich muß sie die Einnahmeausfälle tragen, falls der Kindergarten nicht voll belegt ist. Dies betrifft vor allem die »verlängerte Gruppe«, in der ab Herbst 1995 13 Kinder betreut werden.
 

    Die Kirchenstiftung verpflichtet sich im Gegenzug, das restliche Defizit und die anderen Instandhaltungskosten zu tragen, die Kinder entsprechend zu betreuen sowie Gebäude und Einrichtung unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Bei letzterem wollen die Räte allerdings nachhaken, seien die Kindergartenmöbel doch ohnehin Eigentum der Gemeinde, so Bertele.
    Der neue Vertrag mit der Kirche ist ab 1. Januar gültig und läuft nach der Genehmigung durch die bischöfliche Finanzkammer 30 Jahre lang. Mit dem Schriftwerk treten alle bisherigen Vereinbarungen außer Kraft.
   
Ludwig Bertele betonte in der Diskussion, daß man »miteinander arbeiten« und keine Konkurrenz zur Kirche sein wolle. Laut seinen Informationen ist Pfarrer Jakob Rohrmayr nicht bereit, die Trägerschaft für den Kindergarten in Weinhausen zu übernehmen. Auch die Kirchenverwaltung sei aus finanziellen Gründen nicht interessiert, so Fritz Baumann. Auf Anregung von Anton Schweiger will Bertele aber nochmals ein Gespräch mit dem Pfarrer führen. Jakob Rohrmayr wollte gestern gegenüber der Buchloer Zeitung noch keine Stellungnahme zu diesem Thema abgeben.
   
Eine Altlast hat die Gemeinde übrigens noch zu tragen: Für Statikberechnungen zum ursprünglich geplanten Ausbau des Beckstettener Kindergartens muß die Gemeinde noch 7300 Mark bezahlen, berichtete Bertele.

Buchloer Zeitung vom 27. 11.1994

 

Beckstettener gegen Weinhausener Lösung

Kindergarten: Heftige Diskussion bei Bürgerversammlung

Beckstetten (mel). Beschluß des Jengener Gemeinderates eine weitere Kindergartengruppe in der ehemaligen Weinhausener Schule einzurichten (wir berichteten), stieß bei der Bürgerversammlung in Beckstetten auf teilweise heftige Kritik. Die anwesenden rund 50 Frauen und Männer brachten verschiedene Vorschläge ein, wie das Problem zu lösen sei. Diese reichten von einem Neubau in Jengen bis zur Unterbringung der Buben und Mädchen im Holzschuppen der Beckstettener Einrichtung.

Ursprünglich wollte die Gemeinde den Beckstettener Kindergarten erweitern. Doch zwei Dinge, so Ratsmitglied Fritz Baumann, sprächen dagegen: »Das sind die Kosten und die Besitzverhältnisse.« Denn die Gemeinde würde quasi für die Kirche bauen, die Träger des Kindergartens ist. Zustimmung erhielt Baumann von einem der Zuhörer: »Wenn wir in Weinhausen umbauen, ist die Gemeinde Träger. Dann hat sie einen Joker in der Hand, wenn es einmal darum geht, eine vierte Gruppe oder eine preiswertere Nachmittagsgruppe einzurichten.« Baue man in Beckstetten an, werde der »rührige Pfarrer« sicher dafür sorgen, daß »wegen ein paar Kindern gleich eine vierte Gruppe entsteht.«

Kirche zahlt 20 Prozent

Bürgermeister Ludwig Bertele zeigte sich von dem Vorschlag einer Nachmittagsgruppe wenig begeistert: »Die wird nicht gerne angenommen.« Daß die Kirche Träger der dritten Gruppe sein könnte, halte er nicht für tragisch. »Wir nutzen 100 Prozent der Einrichtung in Beckstetten und die Kirche bezuschußt uns mit 20 Prozent«, argumentierte auch Gemeinderat Alex Merbeler.

»In Weinhausen muß man nur noch Toiletten einbauen und

weißeln«, konterte Baumann. Heftig widersprach er Merbeler, der die Weinhausener Variante als »primitiv« bezeichnete: »Die alte Schule ist flächenmäßig größer als der Anbau in Beckstetten gewesen wäre. Was soll da primitiv sein?« Merbeler warf den Weinhausenern daraufhin vor, auf Kosten eines billigen Kindergartens zu einem neuen Bürgerheim kommen zu wollen. Dies wollen die Weinhausener wie berichtet  überwiegend in Eigenleistung errichten. Die Gemeinde möchte höchstens 200000 Mark dafür ausgeben.

   Eigenleistung bedenken

Nach Merbelers Meinung kann man einen Umbau in Weinhausen nicht mit einem schlüsselfertigen neuen Anbau vergleichen. Außerdem habe man bei der Kostenberechnung die Eigenleistungen der Beckstettener nicht bedacht. »In unserem Kindergarten sind komplette Außenanlagen und die Personalräume bereits vorhanden«, fügte er als weiteres Argument für einen Anbau in Beckstetten hinzu.

Für »Augenwischerei« hielt ein Bürger die 50000 Mark, die die Gemeinde für die Unterbringung der dritten Gruppe in Weinhausen veranschlagt hat: »In der Regel kommt bei so etwas immer die doppelte Summe raus.« Ein Zuhörer schlug vor, die Kinder im bestehenden Anbau in Beckstetten (Holzschuppen) unterzubringen: »Die Räumlichkeiten sind da. Und was hilft's, wenn alles andere nicht finanziert werden kann.« Schließlich wolle man über kurz oder lang ja doch in Jengen bauen.

Daß in Jengen ein komplett neuer Kindergarten entsteht, dafür sprach sich auch Merbeler aus: »In der Gemeinde schlummert ein Vermögen, das keine Mark bringt.« Damit sollte der Bau finanziert werden. Jetzt sei es erst einmal wichtig, für die dritte Gruppe Platz zu finden, hielt Bertele dagegen.

 

Buchloer Zeitung vom 30. 11.1994

 

Weinhausener wollen bei Erweiterung kräftig helfen

Bürger und Gemeinderäte diskutieren über Kindergarten

Weinhausen (gd). Die Weinhausener sind bereit, kräftig mit anzupacken, wenn die alte Schule in einen Kindergarten umgestaltet wird und in einem Erweiterungsbau das lange ersehnte Bürgerheim Platz findet. Dies versprach Ortsbäuerin Maria Haußer bei der Bürgerversammlung in Weinhausen. Auch dort diskutierten die mehr als 60 Besucher kontrovers über die Zukunft der Kinderbetreuung in der Gemeinde Jengen.

Bürgermeister Ludwig Bertele blieb bei seiner Zusage, einen Anbau für ein Bürgerheim zu schaffen, falls in der ehemaligen Schule eine Kindergartengruppe eingerichtet werde. Voraussetzung dafür sei allerdings die fleißige Mitarbeit der Einwohner.

In der Debatte über die Frage, wo eine neue Kindergartengruppe eingerichtet wird, meldete sich der Beckstettener Gemeinderat Alex Merbeler zu Wort. Er nannte viele Argumente für einen Anbau an die bestehende

Einrichtung in Beckstetten: vorhandene Außenanlagen und niedrigere Betriebskosten. Als Alternative brachte er eine »abgespeckte« Erweiterung in Beckstetten ins Gespräch.. Diese Version könne man noch günstiger erstellen als das Weinhausener Modell. Dort ist von 50000 Mark für den Kindergarten und von 200000 Mark für das Bürgerheim die Rede.

Fritz Baumann, Gemeinderat aus Weinhausen, entgegnete, bei hohen Eigenleistungen der Einwohner blieben die Kosten für Bürgerheim und Kindergarten weit unter den Schätzungen. Vorteil einer Weinhausener Lösung sei die schnelle Verwirklichung. Er forderte im Namen seines Dorfes, mit Umgestaltung und Anbau bald zu beginnen.

In der weiteren Diskussion gingen die Meinungen, welche Variante billiger sei weit auseinander. Ob nun Weinhausen zum Zug kommt oder der Gemeinderat dieses Thema nochmals behandeln solle, darüber erzielten die Bürger keine Einigung.

 

Buchloer Zeitung vom 2. 12.1994

 

Kindergarten: Neubau in Jengen nicht vom Tisch

Gemeinderat will Antrag stellen - Bürgerversammlung

Jengen (mr).

Hauptanliegen der rund 40 Besucher der Jengener Bürgerversammlung war der geplante neue Kindergarten in der Gemeinde. Bürgermeister Ludwig Bertele erklärte noch einmal, warum sich der Gemeinderat für die ehemalige Schule in Weinhausen entschieden hat und wie der Umbau finanziert werden soll. Viele Jengener wünschten sich dagegen einen Neubau in ihrem Ort.

   Zunächst ging es um die Frage, seit wann bekannt ist, daß der Beckstettener St.-Agatha-Kindergarten zu klein ist. Bertele berichtete, daß das Problem schon länger bekannt sei, die alte Schule in Weinhausen aber erst seit September zur Verfügung stehe. Auf weitere Anfragen meinte er, daß der neue Kindergarten voraussichtlich zum 1. Januar 1995 bezogen werden kann. Weinhausen bekomme die Auflage, genügend Platz für eine vierte Gruppe zu schaffen, die seiner Meinung nach aber nicht so bald notwendig werde.

    Die Mütter eines Kindes, das derzeit die Notgruppe in Beckstetten besucht, wollte wissen, welche Kinder nach Weinhausen kommen. Sie regte an, im Interesse der Kinder die bestehenden Gruppen zusammenzulassen. Bertele erläuterte, die Kindergartenleitung in Beckstetten habe dies zu entscheiden.

   Gleich mehrere Bürger wollten wissen, warum man nicht an einen Kindergarten für Jengen dachte. Zweiter Bürgermeister Florian Eberle meinte dazu, daß ein Neubau im Moment einfach nicht finanzierbar sei. Er wies auch darauf hin, daß Weinhausen die billigste Lösung sei und für viele Jahre ausreiche. Außerdem hätte dann fast jeder Ortsteil eine kommunale Einrichtung. Es müsse sich schließlich nicht alles in Jengen selbst befinden.

   Gemeinderat Anton Schweiger kündigte jedoch an, bei der nächsten Sitzung einen Antrag auf Bau eines Kindergartens in Jengen zu stellen.