WeinhausenPano201412

Die Urkunden des Reichsstiftes Ottobeuren

Der Herausgeber der Transkribierung ist:

Hermann Hoffmann/Aegidius Kolb: Die Urkunden des Reichsstiftes Ottobeuren 764 - 1460, Augsburg 1991 (Schwäbische Forschungsgemeinschaft bei der Kommission für Bayerische Landesgeschichte 2a, 13)

(Urkundenabschrift mit Überschrift:  Urkundendatum, Laufende Nummer und in Klammer die Seitenzahl im Buch)

764   Nr. 1                                           [im Buch Seite 1]

Anno incarnationis dominice septingentesimo 64 regnante Karolo glorioso Romanorum imperatore . - Dcr edle und mächtige Silachus aus Alemannien (Alamannia) und dessen Ehefrau Erminswint sowie deren beider Söhne, der Bischof Gaucipertus, der Kleriker Toto und der Laie Tagebertus erbauen und stiften auf ihrem Eigentum, abgetrennt von ihren Miterben an dem Ort Ötinburra nach Anweisung der Kirche und nach den Landesgesetzen zur Ehre Gottes ein Kloster. Sie vermachen all ihre Güter und den Familienbesitz für immer Gott, dem Apostelfürsten, dem hl. Petrus, und dem hl. Märtyrer Alexander zum Seelenheil ihrer Eltern dem Kloster unter der Bedingung, daß es keinem erlaubt ist diese Schenkung zu entkräften oder abzuändern sondern ist den Gott dienenden [Kloster-]Brüdern zum Lebensunterhalt und zur Kleidung für immer bestimmt. Sollte ein Friedensstörer ihre bestätigte Schenkung beeinträchtigen, so sei er von Gott für immer verflucht. - Testes, qui viderunt hei- et audierunt: Canto, Hilti, 0teno, Landolfus, Fridebertus, Hargoldus, Rupertus et alii plures tam nobiles quam ignobiles. - [Die angeblichen] Stiftungsgüter: der Ort (locus mundinarium) Ötenburren mit Gemarkung von 2 Meilen in der Länge und einer in der Breite mit etwa 300 bebauten und unbebauten Huben, die Gemarkung des Dorfes Behaim, das Dorf Habewanguen, das Gut Holleswanc bis Westernhain, das Dorf Husen mit Gemarkung, das Dorf Westerhain mit den Gütern bis Hirgehaim, das Dorf Ömintingen, die Kirchen in Stainhaim und Kirchtorf mit Gütern, das Dorf Ekka mit Gemarkung, das Dorf Dietriceshoven mit Gütern, das Dorf Attenhusen mit Zugehörungen, an der Wertach (Vindus) die Dörfer Cella und Wigenhusen mit Gemarkungen, das Gut Wale von 9 Huben. Die Gesamtzahl beträgt 12 Pfarrkirchen (ecclesie barrochiales) und Dörfer mit 120 Weiler (viculus), die in der Provinz zerstreut liegen. Außerdem übergaben die Stifter dem Kloster alle ihre Untertanen, Edle wie Leibeigene, mit Mund und Hand unter Beibehaltung deren Standesrechte.

Eintrag im  Chron. Ottoburanum. - LO: BHStA KI. Ott. Lit. 1, la'-2'. - Druck: Feyerabend 1, 618-620 (lat.) und in 1, 110-114 u. 117-121 (deutsche Übersetzung). MG SS 23, 611-612

 

Auf Basis der nachfolgenden Urkunde auf das Jahr 972 datiert, feierte das Dorf Weinhausen im Jahr 1972 sein tausendjähriges Bestehen. Zu dieser Zeit war wohl die noch frühere Erwähnung im Jahr 764 in der vorstehenden Urkunde nicht bekannt.
Demnach kann Weinhausen im Jahr 2014 die 1250-Jahr-Feier begehen.

972 November 1 Straßburg     Nr. 4                            [im Buch Seite 3-4]

Kaiser Otto [I.] gewährt auf Bitten der Bischöfe Odalricus von Augsburg (Augustensis) und Conradus von Konstanz (Constantiensis), des Alamannenherzogs (dux Alamannorum) Purchardus [II.] und alamannischer Großen(potentes) - sie hatten die Menge, den Mangel und die Härte der Abteigegend (regionis duricia abbatie) Ottobeurens (Ötinburensis) vorgetragen - zur Ehre Gottes und wegen der Verdienste des hl. Alexander, der dort leiblich ruht, die Freiheit von Heerfahrt (expeditio regalis), Kriegsdienst und Hoflager (curialis itineratio). Ein Teil der Abteigüter (pars prediorum abbatie) soll dafür nur abgetrennt werden, wenn diese dem Alamannenherzog Purchardus und dessen Nachkommen zu Lehen ausgegeben werden. Der Abt soll den [Kloster]brüdern frei dienen, nach dessen Tod besteht freie und kanonische Abtswahl. Der Abt wird ihm vorgestellt, erhält die Regalien und den unter Kaiser Karolus verliehenen Schutz. Dafür reicht der jeweilige Abt am Hoflager zu Ulm (Ulma) oder Augsburg (Augustensis) 2 gleichfarbige Jagdhunde. Für die Freiheit werden von der Abtei abgetreten: der Flecken oppidum Omintingen mit Dorf Trunkenesperg, das Gut in Hösen, die Dörfer Titherischeshouen und Wigenhusen, das Gut Wald und andere nicht erwähnte Güter, dazu der Zehnt im illergau (Hilargowensis), den Kaiser Karl d. Gr. den Klosterbrüdern einräumte. Der Zehnt der genannten Güter, der bisher an das Armenhaus (elemosinaria domus) des Klosters abgegeben wurde, soll mit Zustimmung des Königs, des Bischofs Ödalricus und dessen Nachfolger jetzt von den Maierhöfen (curtis villicorum) zum Wohl der Armen an das genannte Haus geliefert werden. - Data ab imperatore, Ottone, Ödalrico episcopo et abbati Ötinbur-

(ensis) loci, anno incarnationis domini DCCCCLXXII, die kalendarum
nouembrium;  actum Argentina civitate; in dei nomine. - Signumzeile. -  .
Ego Ropertus archicapellanus scripsi.

I. Fälschung (I. Hälfte des I2. Jh..), perlt., unbesiegelt. - RV: Priuilegium Ottonis imperatoris electionem liberam abbatis et exemptionem a regalibus seruitutibus ipsi continens (17./18. Ih; In Sachen Ottenbeuren contra Fugger . . .; Spirae 22. Septembris anno 1603, N°. 3 (Quadrangel). – AN:N. 85. A. - LO: BHStA KS 848. - II. Abgeänderte Fassung mit Gütererweiterung (Ende 12. Ih.), Perg. - LO: BHStA KI. Ott. Lit. 1,7-9'. - III. Abschr. Pap. - LO: BHStA Hst. Aug. 5. - IV. Abschr. pap. (1616). - LO: StANeu KI. Ott. Lit. 2, 8-11 (nach I). - V. Abschr. Pap. - LO: BHStA KI. Ott. Lit. 55, 5-6 und 56, 8-8, Nr. 9 (nach I). - Vl. Inserte in U von 1491 X 16 LO: BHStA Hst. Aug. falz. 120), in U 1613 III 29) (LO: BHStA KI. Ott. 2328) und 1620 VIII 23 (LO: BHStA KI. Ott. 2431). - VII. Eintrag im RAOtt. - LO: StiAOtt. L 102, 261 unter N. 35 A eingetragen, darunter der Hinweis auf eine lateinische und deutsche Kopie. - Druck: Feyerabend 1, 626-630 Nr. 5 (nach II), deutsche Übersetzung ebenda 1, 357-387. MB 31a, 211 Nr. 109 (nach I), UB Ulm l, 8 Nr. 4 (unvollständig). Steichele 2, 16 (nach II). MG SS 23, 614-615 (nach II). MG DD Otto L, S. 613-615 Nr. 453 (nach 1). MG DD Otto II., S. 881-883 DD Otto I., Nr. 423 a. - Regest: UB Württ. 4, 336-337 Nr. 31. Stumpf 520. REC 375. Vock. S. 2-3 Nr. 6 (nach 1), Volkert-Zoepfel 151. RI 2 Nr. 557 (nach 1 und II)

1 Feyerabend gibt in einer Fußnote auf S. 626 an, daß die Originalurkunde Kaisers Otto im Archiv zu Dillingen aufbewahrt wurde und sein Druck: nach einer Abschrift des 12. Jahrhunderts erfolgte