WeinhausenPano201412

Buchloer Zeitung vom 2.7.1994

 

Nicht nur das Äußere zählt

Weicht, Weinhausen und Ummenhofen konkurrieren um Titel »Schönstes Dorf«

Ummenhofen/Weinhausen/Weicht (mel). »Das ist mal ein gepflegter Hof!«, »Das Gebäude muß ein Mißverständnis sein...«, »Wie viele Bauern, und wie viele Vereine gibt es hier?« - Fragen, Antworten, kritische und lobende Bemerkungen schwirren durch die schwül-heiße Luft.

Drei Frauen und vier Männer spazieren in den Jengener Ortsteilen Ummenhofen, Weicht und Weinhausen umher und bleiben immer wieder stehen, um sich von Bürgermeister Ludwig Bertele dies oder das erklären zu lassen. Es sind die Kreisjuroren des Wettbewerbs »Unser Dorf soll schöner werden«.

Die routinierte Kommission achtet auf die verschiedensten Dinge. Kreisbäuerin Veronika Moser kontrolliert mit Argusaugen, in welchem Zustand Bauernhäuser und -gärten sind. Karl Michl vom Kreisverband für Gartenbau und Landschaftspflege freut sich über einen Vorplatz in Ummenhofen, der vom Eigentümer nicht geteert, sondern mit Rasen und Kies optisch aufgelockert wurde. Landschaftsarchitektin Gudrun Dietz-Hofmann prüft, wie sich Neubauten in das Ortsbild einfügen.

»Prägnant« nennt Kreisbaumeister Anton Hohenadl die Ortsausfahrt von Ummenhofen, die erst an zwei gegenüberliegende Häuserfronten samt Linde vorbeiführt und dann nach rechts aus dem Blickfeld verschwindet. »So was bleibt einem im Gedächtnis hängen«, schwärmt der Fachmann. Auch in Weinhausen lobt er die Ortsdurchfahrt als eine »hervorragende Anlage« und in Weicht fasziniert ihn die Anordnung der alten Bauernhöfe: »Es ist, als würden die Häuser miteinander sprechen.«

Lob für Heckengürtel

In jedem der drei kleinen Ortsteile findet sich Positives und Negatives. So lobt Gartenfachberater Hartmut Stauder zwar den frischgepflanzten Baum- und Heckengürtel am Ortsrand von Weinhausen, zugleich stört sich die gesamte Jury jedoch an dem kahlen Friedhof bei der Kirche. »In Weinhausen hören die wenigsten Bauern auf«, berichtet Bürgermeister Bertele wenig später - und sofort zücken die Kommissionsmitglieder, darunter auch Kreisheimatpfleger Günter Schlecht, die Kugelschreiber, um ein dickes Plus zu notieren. Für den Ortsteil Weicht sind die zahlreichen auffallend gepflegten Bauernhöfe und die von Bürgermeister Bertele als »konstant« bezeichnete Landwirtschaft von Vorteil. Weniger gut: Am Ortseingang steht ein modernes Gebäude, das sich nicht in das Ortsbild einfügen mag.

In Ummenhofen ist Heidi Schuder vom Landwirtschaftsamt wie die ganze Kommission von dem gemütlichen Biergarten in der Ortsmitte begeistert. Anton Hohenadl entdeckt in dem 200-Seelen-Dorf auch noch ein idyllisches altes Bauernhaus und zückt sofort den Fotoapparat. Nicht einmal die teils stark ramponierte Fassade stört ihn: »Das ist immer noch besser als das, was man in den 70er Jahren gebaut hat«, sagt er und zeigt auf ein mit Eternit-Platten verkleidetes Haus auf der anderen Straßenseite, das zu allem Übel auch noch den Ortsrand überspringt. Ganz klar: Ein Minus.

Gemeinschaft

Doch nicht nur das äußere Erscheinungsbild der Dörfer entscheidet, wer Sieger wird. »Wir achten auch darauf, was in dem Ort für Kinder, Frauen und Senioren getan wird oder wie es mit der dörflichen Gemeinschaft aussieht«, betont Veronika Moser. Wurde die Dorfkapelle zum Teil in Eigenregie renoviert, oder gibt es ein Bürgerhaus, eine Dorfwirtschaft oder ein Jugendheim, bedeutet das gleich ein paar Punkte mehr in der langen Bewertungsliste. Gefallen findet eine Aktion des Weinhausener Gartenbauvereins: Dort bekommt jedes Kommunionkind einen Baum geschenkt.

Wie auch immer der Siegerort heißen wird, es kann nur einer der drei Jengener Ortsteile sein. In der Gruppe A (bis 600 Einwohner) hat sich kein weiteres Dorf mehr beworben. »Dann mach'ma's halt untereinander aus«, lacht Bürgermeister Ludwig Bertele und zuckt mit den Schultern.

 

 

Buchloer Zeitung vom 6.7.1994

 

Weinhausen: »Schönstes Dorf« im Ostallgäu

Jengener Ortsteil gewinnt bei Kreiswettbewerb

Weinhausen (mel).  267 Bürgerinnen und Bürger haben Grund zu feiern: Der Jengener Ortsteil Weinhausen ist heuer Kreissieger im Wettbewerb »Unser Dorf soll schöner werden«. Die einzigen Konkurrenten in der Gruppe A (bis 600 Einwohner) waren die ebenfalls zu Jengen gehörenden Dörfer Weicht und Ummenhofen (wir berichteten). Weinhausen wird im August am Bezirksentscheid teilnehmen. Warum der Ortsteil so gut abgeschnitten hat, will die Kreisjury erst noch bekanntgeben.

   Der Jengener Bürgermeister Ludwig Bertele glaubt zu wissen, wie das kleine Dorf Kreissieger werden konnte: »Das liegt sicher mit an dem starken Gemeinschaftsgefühl, das in dem Ort herrscht und das sich in den vielen Festen zeigt, die man miteinander feiert.« Auch die schöne Begrünung in und um den Ort herum habe wahrscheinlich eine wichtige Rolle gespielt.

Riesig gefreut

Ortsbäuerin Maria Haußer ist sicher, daß die Kreisjury an dem alten Baumbestand im Ort Gefallen gefunden hat, der immer noch

jedes Jahr vergrößert werde. »Riesig gefreut« habe sie sich, so die ehemalige Vorsitzende des Gartenbauvereins, als sie von dem Sieg Weinhausens hörte: »Ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet.«

Feier in zwei Wochen

In rund zwei Wochen soll der Kreissieg zusammen mit dem ganzen Dorf gefeiert werden. Heute abend bereits wollen sich Ortsbäuerin Haußer, die Mitglieder des Gartenbauvereins, Bürgermeister Bertele und Weinhausens Gemeinderat Fritz Baumann zusammensetzen, um für die nächste Hürde, den Bezirksentscheid, Pläne zu schmieden. Maria Haußer: »Wir haben nicht gerade die größte Chance weiterzukommen, aber wir präsentieren uns so, daß man unser kleines Dorf im Gedächtnis behält.«

Neben Weinhausen wurde in der Gruppe B (601 bis 3 000 Einwohner) der Markt Irsee und die Gemeinde Rieden am Forggensee Kreissieger. Als »Ort mit hervorragenden Leistungen« schied Untergermaringen aus dem Rennen. Für sehr gute Leistungen wurden Bidingen, Pforzen, Wald und Weicht gelobt. Ummenhofen erhielt lediglich den Titel »Ort mit guten Leistungen«.

 

 

Buchloer Zeitung vom 4.8.1994

 

Mit Böllerschüssen in Bezirksentscheid

Jury von Engagement der Dorfbewohner beeindruckt

Weinhausen (mel).

In Weinhausen wehen bunte Fahnen, die Vorgärten sind herausgeputzt, Kiesflächen feinsäuberlich gerecht und das halbe Dorf hat sich um den Maibaum versammelt: Mit Sonnenschein, Blasmusik, Böllerschüssen und Chorgesang empfangen die BL : die Bewertungskommission des Wettbewerbs »Unser Dorf soll schöner werden«. Im Juli war der Jengener Ortsteil, wie berichtet, zum Kreissieger gekürt worden. Nun muß er sich im Bezirksentscheid bewähren.

»Hallo, hallo, schön, daß ihr da seid!«, schallt es der zwölfköpfigen Jury von den Kindergartenkindern entgegen, als sie aus dem Bus klettert. Trotz schönsten Ernte- und Badewetters haben sich zahlreiche Weinhausener als Zaungäste eingefunden. Auch der Landtagsabgeordnete Erwin Seitz, der stellvertretende Landrat Anton Boneberg und der Buchloer Bürgermeister Franz Greif sind mit von der Partie.
Die Katholische Landjugend Weinhausen spielt zum Marsch auf, und dann startet der lange Troß unter Führung des Jengener Bürgermeisters Ludwig Bertele zur Ortsbegehung. Bauoberrat Wilhelm Hofmann lobt den umfangreichen Baumbestand im Ort und will wenig später von Bertele wissen, in welcher Größenordnung sich die landwirtschaftlichen Betriebe bewegen. Der Vorsitzende des Schwäbischen Bezirksverbandes für Gartenbau und Landespflege, Georg Fickler, nimmt ein altes Bauernhaus genauer unter die Lupe: »Das war einmal ein Dorfgasthof. Schade, wenn es so etwas nicht mehr gibt.«
Das Dorf präsentiert sich der Jury in prächtigem Blumenschmuck. Ein Vorgarten, in dem die Kreiskommission vor rund fünf Wochen noch allerlei abgestelltes Gerümpel entdeckt hatte, ist plötzlich tadellos aufgeräumt »Es will doch keiner die Ursache dafür sein, daß wir nicht gewinnen«, lacht eine Bürgerin. Doch die Weinhausener verlassen sich nicht nur auf das äußere Erscheinungsbild ihres Ortes: Bald an jeder Straßenecke bieten sie der Jury etwas Besonderes.
In einer Garage backen vier Frauen aus dem Dorf - wie jede Woche - in einem alten Ofen Brot. Natürlich gibt's anschließend eine knusprige Kostprobe.

Ein paar Schritte weiter führen Erst- und Zweitkläßler aus Weinhausen mit ihrer Lehrerin Regina Fuchs ein Singspiel auf. Hobby-Imker stellen ihre Bienenzucht vor, einem Landwirt wird beim Sensendengeln über die Schulter geguckt und Weinhausener Bürgerinnen verteilen selbstgemachte, süße Backwaren oder kühle Mocca-Milch.
Ein Haflingergespann bringt die Jurymitglieder Marita Schmid (Sachgebiet Naturschutz und Landschaftspflege) und Bernd Braunsteffer (Direktion für ländliche Entwicklung Krumbach) in die Außenbereiche des Ortes. Pfarrer Jakob Rohrmayr erläutert die Architektur und den Werdegang der kleinen Dorfkirche »St. Felicitas und sieben Söhne«, die in Gemeinschaftsarbeit restauriert wurde. Während der Weinhausener Kirchenchor noch einmal sein Können beweist, kann sich die Bewertungskommission in den kühlen vier Wänden des Kleinods ausruhen.
Länger als vorgesehen dauert die Ortsbesichtigung. An den Rundgang schließt sich eine Ausstellung in der Schule an. Mit viel Liebe haben die Dorfbewohner dort Geschichte und Aktivitäten ihres Ortes in Wort und Bild festgehalten. Die leitende Hauswirtschaftsdirektorin Marianne Konle interessiert sich besonders für die Vereinstätigkeiten am Ort, andere Kommissionsmitglieder studieren Fotos alter Bauernhöfe oder machen sich Notizen zur Abwasserbeseitigung in Weinhausen. Gerd Zeiträg, Vorsitzender der Jury und Sachgebietsleiter Gartenbau der Regierung von Schwaben, ist vor allem von den Weinhausenern selbst beeindruckt:
»Es ist fantastisch, wie Sie alles gemeinsam anpacken. Bleiben Sie so.«
Weinhausen war die erste Station der Jury auf ihrer zweiwöchigen Fahrt durch Schwaben. 16 Dörfer und Ortsteile, darunter auch Irsee und Rieden am Forggensee, nehmen am Bezirksentscheid teil. Fünf gehören, wie Weinhausen, in die Kategorie A (unter 600 Einwohner). »Heuer dürfen wir nur zwei Sieger ermitteln, die am Landesentscheid im Sommer 1995 teilnehmen«, so Zeiträg. Am Dienstag, 16. August, wird das Bezirksergebnis bekanntgegeben.

 

 

Buchloer Zeitung vom 19.10.1994

 

 »Ziel: ein lebens- und liebenswertes Dorf«
Regierungspräsident Ludwig Schmid zeichnet Irsee und Weinhausen im Wettbewerb aus

Altenmünster/Weinhausen (man). Schönstes Dorf im Regierungsbezirk Schwaben, mit diesem Prädikat können sich nun auch offiziell Baiershofen, Landkreis Augsburg, und Irsee schmücken. Sie erhielten das Prädikat in den Klassen »bis 600« und »bis 3000« Einwohner. Jedoch: es gab beim diesjährigen Wettbewerb »Unser Dorf soll schöner werden« in Schwaben zwar nur zwei Sieger, »aber 16 Gewinner«, wie Regierungspräsident Ludwig Schmid bei der Preisübergabe in Altenmünster hervorhob. Zu den »Gewinnern« zählt auch Weinhausen, dem »sehr gute Leistungen« bescheinigt wurden.

   Die Liste der prominenten Gratulanten in der herbstlich geschmückten Schulturnhalle war lang. Altenmünsters Bürgermeister Günter Würmseher machte den Auftakt. Man habe zunächst gezögert, am Wettbewerb teilzunehmen. »Um so mehr hat uns das Ergebnis überrascht.« Der Ortsteil Baiershofen stehe im gesamten Ensemble unter Denkmalschutz. »Die Bevölkerung muß damit leben, was nicht einfach ist.«
   
Den Rückgang der Teilnehmerzahlen bei der dörflichen Schönheitskonkurrenz analysierte Schwabens Regierungspräsident. Schmids Worten zufolge kann es nicht an den fehlenden finanziellen Mitteln oder an einer Wettbewerbsmüdigkeit liegen. Es würden vielmehr »wertvolle Strukturen geschaffen für eine lebenswerte Zukunft des Dorfes«. Die Kommission lege zudem immer besonderen Wert auf »eine offene Beurteilung«, um den Teilnehmern zu zeigen, was noch verbesserungsfähig sei. Schmid sieht darin einen positiven Gewinn für

jeden Wettstreiter. »Ich weiß eigentlich nicht, woran diese momentane Zurückhaltung liegt.«

Keine Postkartenidylle

   Die    Jurymitglieder seien nicht auf der Suche nach Mißständen. Sie untersuchten viel mehr die vorhandene Lebensqualität im Einklang mit der Umwelt und der Natur. Dem Vorwurf, nur eine Postkartenidylle zu bewerten, wies der Regierungspräsident zurück. Bei künftigen Wettbewerben würde die Punktezahl für die Beurteilung der Dorfgemeinschaft sogar noch erhöht. Schmid: »Wir wollen keine Museumsdörfer, sondern Orte, die sich an modernen Werten orientieren.« Ziel sei doch allgemein »ein lebensund liebenswertes Dorf inmitten unserer schwäbischen Heimat«. Anschließend lobte er Baiershofen und Irsee als »Vorbild für andere Dörfer und würdige Vertreter im Landeswettbewerb: Bezirkstagspräsident Dr. Georg Simnacher meinte: »Mitmachen ist wichtiger als siegen.«

Aus den Händen von Regierungspräsident und Bezirkstagspräsident erhielten die Bürgermeister aller 16 teilnehmenden Gemeinden Urkunden und Medaillen. Für Irsee nahm Bürgermeister Rudolf Scharpf neben einem Erinnerungsteller auch noch einen Scheck entgegen. Für sehr gute Leistungen wurden unter anderem auch Rieden am Forggensee und Weinhausen ausgezeichnet.

Auch auf Landkreisebene gab es kürzlich Ehrungen für diese Dörfer: Johannes Hoffmann, Vorsitzender des Kreisverbandes für Gartenbau und Landespflege, würdigte die Gemeinden bei einer Kreisversammlung ebenso wie stellvertretender Landrat Josef Kreuzer. Scharpf empfahl in Rieden am Forggensee allen Gemeinden, mitzumachen: »Durch diesen Wettbewerb wächst nämlich das Bewußtsein für das Einfache und Schöne in einem Dorf.«

Stellvertretend für seine Gemeinde nahm er schließlich neben Franz Winklmaier und Jengens Bürgermeister Ludwig Bertele eine Ehrenurkunde und ein Gedenktäfelchen aus Stein entgegen. Urkunden gab es auch für die Sieger im Wettbewerb »Garten- und Ortsgestaltung durch Grün«: Wilhelmine Strobl, Blonhofen; Gerhard Braun, Helmishofen; Claudia Eschenlauer, Dillishausen; Hedwig Trautwein, Dillishausen; Manfred Zankl, Untrasried; Marianne Scheible, Unterthingau; Centa Königsberger, Gennachhausen; Elisabeth und Amalie Blenk, Bidingen, und Familie Mahn aus Bronnen.

Zeitungsauschnitte gesammelt von Josef Erhardt sen.